Wenn es um beeindruckende Wildtiere in Afrika geht, denkt fast jeder an die Big 5. Doch hast du schon einmal von den Ugly Five gehört? Diese Tiere gelten als die „hässlichsten“ der afrikanischen Savanne – doch ihr einzigartiges Aussehen und ihr ökologischer Wert machen sie zu wahren Stars der Wildnis.
Wer sind die Ugly Five Afrika?
Die Ugly Five bestehen aus fünf Tierarten, die oft als unansehnlich beschrieben werden. Doch Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Diese Tiere haben sich perfekt an ihr raues Umfeld angepasst. Und jede Eigenschaft, die uns seltsam vorkommt, ist biologisch gesehen ein Meisterwerk der Evolution.
Die Ugly Five im Einzelnen
1. Hyäne (Crocuta crocuta)
Die Tüpfelhyäne ist wohl das am meisten missverstandene Tier Afrikas.
Ihr struppiges Fell, die nach hinten abfallende Rückenlinie und das
schrille „Lachen“ – tatsächlich ein Kommunikationslaut bei Erregung
oder Stress – machen sie nicht gerade zum Publikumsliebling.
Dabei ist die Tüpfelhyäne alles andere als ein simpler Aasfresser. Sie ist ein hocheffektiver Raubtier, das bis zu 95 % seiner Nahrung selbst jagt. Dabei haben sie sogar einen höheren Jagderfolg als Löwen. Ihr Sozialsystem ist eines der komplexesten unter Säugetieren: Hyänenclans werden von Weibchen angeführt, die in der Rangordnung grundsätzlich über den Männchen stehen – eine echte Matriarchatsgesellschaft. Ihre Beißkraft gehört zu den stärksten aller Landsäuger und ermöglicht es ihnen, selbst Knochen zu zermalmen und zu verdauen.
2. Marabu (Leptoptilos crumenifer)
Der Marabu ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,2 Metern einer der größten flugfähigen Vögel Afrikas. Sein kahler, rötlicher Kopf, der hängende Kehlsack und sein gebückter Gang haben ihm den Spitznamen „Undertaker Bird“ eingebracht – der Beerdigungsvogel.
Der kahle Kopf ist keine Kuriosität, sondern Hygieneanpassung: Beim Fressen in Tierkadavern würde ein befiederter Kopf schnell verkleben und zur Brutstätte für Bakterien werden. Als Aasfresser und Gelegenheitsjäger ist der Marabu ein unverzichtbarer Bestandteil des Ökosystems. Er beseitigt, was andere zurücklassen, und bremst damit die Ausbreitung von Krankheitserregern.
3. Warzenschwein (Phacochoerus africanus)
Mit seinen Gesichtswarzen, den nach oben gebogenen Stoßzähnen und dem borstigen Fell ist das Warzenschwein optisch kaum zu übersehen. Die Warzen sind übrigens keine Warzen im medizinischen Sinne, sondern verdickte Hautlappen – vermutlich zum Schutz bei Kämpfen zwischen Rivalen.
Was das Warzenschwein besonders macht: Es ist einer der wenigen Pflanzenfresser, der konsequent auf die Knie geht, um zu fressen – da seine Beine im Verhältnis zum Körper zu kurz sind, um bequem den Boden zu erreichen. Warzenschweine sind schnell, wendig und deutlich cleverer als ihr Ruf vermuten lässt. Bei Gefahr flüchten sie in ihre Erdlöcher.
4. Geier (Gyps africanus u.a.)
Geier werden oft mit Tod und Unheil assoziiert – zu Unrecht. Sie sind ökologisch gesehen eine der wichtigsten Tiergruppen Afrikas. Ihr hochspezialisierter Verdauungstrakt neutralisiert Krankheitserreger wie Milzbrand und Tollwut, die andere Aasfresser töten würden. Ohne Geier würden sich diese Erreger in der Savanne unkontrolliert ausbreiten.
Der kahle Kopf erfüllt hier die gleiche Funktion wie beim Marabu: Hygiene beim Fressen in Kadavern. Geier navigieren mit Hilfe von Thermik – aufsteigenden Warmluftströmungen – und können dabei stundenlang kreisen, ohne einen einzigen Flügelschlag zu machen. Viele afrikanische Geierarten sind heute stark gefährdet, unter anderem durch Vergiftung und den illegalen Handel mit Körperteilen für traditionelle Medizin.
5. Gnu (Connochaetes taurinus)
Das Streifengnu sieht aus, als hätte die Evolution beim Design aufgehört, bevor es fertig war: Kopf wie ein Rind, Mähne wie ein Pferd, Bart wie ein alter Mann. Diese ungewöhnliche Kombination täuscht jedoch über seine bemerkenswerten Fähigkeiten hinweg.
Gnus sind die Hauptakteure einer der größten Tiermigrationen der Welt – der Great Migration in der Serengeti und Masai Mara, bei der über 1,5 Millionen Tiere jährlich in einem riesigen Kreislauf wandern, immer dem Regen und frischen Gras hinterher. Gnus können kurz nach der Geburt bereits laufen – ein evolutionärer Überlebensvorteil, da Kälber andernfalls sofort Beute für Löwen und Hyänen würden.
Warum heißen sie die „Ugly Five“?
Der Name stammt ursprünglich von Safari-Guides, die in humorvoller Anlehnung an die Big 5 eine Liste der „unattraktivsten“ Tiere der afrikanischen Wildnis erstellten. Der Begriff ist also mit einem Augenzwinkern gemeint. Und wer diese Tiere einmal in der Wildnis beobachtet hat, versteht schnell, dass „hässlich“ das falsche Wort ist.
Warum du die Ugly Five in Afrika auf deiner Safari sehen solltest
Diese fünf Tiere gehören zu den biologisch faszinierendsten Bewohnern der afrikanischen Savanne. Sie halten das Ökosystem im Gleichgewicht, zeigen außergewöhnliche Verhaltensweisen und sind – gerade weil sie so ungewöhnlich aussehen – dankbare Fotomotive.
Wer auf Safari geht und nur auf die großen Raubkatzen wartet, verpasst einiges.
Die Ugly Five im Vergleich zu anderen „Fives“
Afrika hat noch mehr solcher Tiergruppen: die Big Five, die Little Five, die Shy Five und die Big Five des Meeres. Jede dieser
Gruppen erzählt eine andere Geschichte über die Tierwelt des Kontinents – und lohnt sich auf einer Safari genauso wie die Suche nach Löwe und Elefant.
